Ausdrucksvolles Reiten

Folgendes Szenario kennen bestimmt viele von euch: Man kommt in den Stall und will sein Pferd zum Reiten holen. Man ist gut gelaunt und freut sich auf den Ritt. Doch schon beim Putzen merkt man, dass das Pferd gar keine rechte Lust hat. Es steht schläfrig da und lässt alles nur über sich ergehen. Als man dann in die Reithalle geht und aufsteigt, schlurft das Pferd los und latscht über den Hufschlag. Alle Bemühungen, etwas Schwung in die Sache zu bekommen, bringen nichts. Wenn man dann vielleicht auch noch andere Reiter sieht, deren Pferde mit viel Ausdruck schwingend über den Boden schweben, verliert man selbst die Lust und ist frustriert.

So etwas gibt es sehr häufig. Dabei muss das nie so sein! Es ist völlig egal, was man für ein Pferd hat, wie alt es ist, ob Hengst, Wallach oder Stute, oder gar welche Ausrüstung man benutzt. Jedes Pferd hat die Gabe, sich ausdrucksstark zu präsentieren und seinem Reiter ein königliches Gefühl zu geben. Diese Gabe muss nur herausgekitzelt werden. Das Geheimnis hierbei liegt beim Reiter selber. Beobachtet man Pferde auf der Weide, die sich gegenseitig imponieren wollen, zeigt jedes Pferd, selbst das kleinste Pony, eine erhabene und stolze Haltung.  Das können Pferde, solange sie keinen Reiter tragen müssen. Ohne Reiter, d. h. ohne zusätzliches, fremdes Gewicht, befindet sich ein Pferd immer im perfekten Gleichgewicht und kann somit stolz und königlich aussehen. Sobald jedoch ein Reiter mitmischt, wird das innere und äußere Gleichgewicht gestört und das Pferd fängt im schlimmsten Fall an zu „schlurfen“. Nur wenn ein Reiter sein Werk vollkommen beherrscht und in der Lage ist, sein eigenes Gewicht in jeder Situation so zu verteilen, dass es das Pferd nicht beeinträchtigt, kann das königliche Gefühl erleben, das einem das Pferd dann gibt, indem es sich ausdrucksvoll bewegt.

Eine königliche Ausstrahlung hat auch viel mit dem Selbstbewusstsein eines Pferdes zutun. Ein Pferd, dass unterdrückt wird und immer nur zu gehorchen hat, wenn es verlangt wird, kann sich natürlich auch nicht stolz bewegen. Mann muss ein Pferd Pferd sein lassen und sein Wesen akzeptieren. Auch der Reiter muss sich souverän geben und so tun, als säße er auf dem besten Pferd der Welt. Dieses Gefühl gibt er dann an das Pferd weiter. Beide Parteien – Pferd und Reiter – müssen sich wohl fühlen und zu einer Einheit verschmelzen. Dann kann man in den Genuss kommen, königlich zu reiten.

In Sieben Schritten Zum Königspferd

  1. Unterdrücke dein Pferd nicht, sondern akzeptieren sein Wesen – auch mit kleinen Fehlern.
  2. Stärke das Selbstbewusstsein deines Pferdes, indem du ihm Erfolgserlebnisse gönnst und ihm auch Freiheiten lässt.
  3. Sorge für ein stimmiges Drumherum: passende Ausrüstung, artgerechte Haltung und eine gründliche Gesundheitsvorsorge
  4. Arbeite an deinem eigenen Sitz und deiner Hilfengebung. Kehre ruhig auch mal an die Longe zurück. Ziel ist es, die Bewegungen deines Pferdes zu unterstützen und nicht zu stören.
  5. Reite junge Tiere erst einmal vier Wochen lang ohne Anlehnung vorwärts. Erst dann im Laufe der Ausbildung eine leichte Anlehnung aufbauen.
  6. Spiele mit der Anspannung und Entspannung deines Pferdes. Reite Lektionen, die das Imponiergehabe fördern (z.B. Spanischer Schritt).
  7. Stell dir vor, auf dem besten Pferd der Welt zu sitzen. Dein Bewusstsein beeinflusst die Wirklichkeit.

Die Tipps der alten Reitmeister

Xenophon:

  • Das Pferd muss verstehen, was von ihm gefordert wird.
  • Das Pferd nicht ständig gängeln.
  • Das Pferd feurig machen, dann die Zügle nachgeben. Es bleibt in der Haltung und fühlt sich frei.
  • Das Pferd dazu bringen, sich so zu zeigen, wie es sich von Natur aus präsentiert, wenn es sich schön fühlt (Imponiergehabe).

Duke of Newcastle

  • Dem Pferd Abwechslung und Freiheit gönnen.
  • In allen Gangarten geradeaus reiten.
  • Die Reitstunde immer ruhig beenden.

Antoine de Pluvinel

  • Das Pferd muss Freude an der Arbeit haben.

François Robichon de la Guérinière

  • Schön sitzen, das macht auch das Pferd schöner.
  • Das Pferd nie zu lange fordern, sondern aufhören, wenn es noch munter ist.

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