Zügelhilfen

Korrekte Zügelhilfen erfordern Feingefühl und Fingerfertigkeit. Hierbei verlaufen die Zügel zwischen Daumen und Zeigefinger und zwischen Ringfinger und kleinem Finger. Die Zügelhilfen gelten als schwierigster Part der Reiterei. Das soll aber keinesfalls entmutigen, sondern anspornen! Denn sie sind sind der Schlüssel zur Reitkunst. Zum Glück gibt es nicht allzu viele, die man lernen und beherrschen muss. Es gibt nur fünf verschiedene Zügelhilfen.

Zunächst einmal gibt es die nachgebende Zügelhilfe. Dabei geht die Reiterhand nach vorne, gibt also mehr Raum nach vorne, damit das Pferd den Hals strecken kann. Sinnvoll ist diese Hilfe z.B. beim Anreiten, beim Tempowechsel in eine schnellere Gangart oder wenn das Pferd seine Schritte beschleunigen soll. Bei Wendungen wird auch die nachgebende Zügelhilfe verwendet, allerdings nur einseitig. In einer Rechtswendung gibt der linke Zügel etwas nach, in einer Linkswendung der rechte Zügel.

Die zweite ist die annehmende Zügelhilfe. Hierbei werden die Zügel etwas verkürzt, die Reiterhand geht nach hinten. Je nachdem, was wir dem Pferd vermitteln wollen, nehmen wir beide Hände oder nur eine Hand. Wollen wir durchparieren zum Stehen oder von einer schnelleren Gangart in eine langsamere wechseln, verkürzen wir beide Zügel. Beim Abwenden oder bei Biegungen wird nur eine Seite verkürzt. Doch das Annehmen der Zügel sollte immer stufenweise erfolgen. Man darf auf keinen Fall einfach an den Zügeln ziehn! Das würde dem Pferd sehr im Maul wehtun und nicht das gewünschte Ergebnis bewirken. Die erste Stufe ist das Einziehen des Ringfingers. Die zweite Stufe ist das Eindrehen des Handgelenks und in der dritten Stufe bewegen wir die Ellbogen am Körper vorbei nach hinten. Sobald das Pferd die gewünschte Reaktion zeigt, wird wieder nachgegeben! Dauerhaftes Ziehen am Zügel führt nur zu Frustration und Widerwillen beim Pferd. Das Nachgeben belohnt das Pferd für die gewünschte Reaktion.

Die seitwärtsweisende Zügelhilfe ist die dritte Variation. Sie ist immer einseitig, entweder links oder rechts. Diese Hilfe wird nicht oft verwendet, vorrangig bei Jung- oder Korrekturpferden. Die Reiterhand bewegt sich deutlich und sichtbar weg vom Pferdehals, zur Einleitung von Wendungen und Seitengängen.

Nun zur vierten Hilfe, der verwahrenden Zügelhilfe. Sie ist ebenfalls immer einseitig und ist der Gegenspieler der einseitig annehmenden Zügelhilfe (s.o.). Will man eine Linkswendung reiten, wird der linke Zügel angenommen und der rechte verwahrend leicht nachgegeben, damit das Pferd den Hals nicht einknickt, sondern elegant biegt.

Jetzt bleibt nur noch die fünfte und letzte, die durchhaltende Zügelhilfe. Sie ist der annehmenden Zügelhilfe ähnlich, jedoch in verstärktem Ausmaß. Sie schränkt die Halsfreiheit des Pferdes wahlweise ein- oder beidseitig ein. Gebraucht wird sie nicht sehr oft und sollte den erfahrenen Reitern vorbehalten bleiben.

Die korrekte Zügelhilfe: Das solltest du ...

... wissen... tun... spüren
- Zügelhilfen wirken über das Gebiss im Maul des Pferdes. Das Gebiss liegt auf den Laden, einer zahnlosen Lücke des Unterkiefers.- Gehe so einfühlsam wie möglich mit den Zügeln um. Die Laden sind schmerzempfindlich. Zahnfleisch, Zunge und Zähne können durch grobe Hilfen verletzt werden.- Das Gewicht, dass du über die Zügel in deinen Händen spürst, kann wenige Gramm oder mehrere Kilo betragen.
- Korrekte Zügelhilfen erfordern eine in jeder Gangart ruhige Reiterhand.- Mache einen Spaziergang und tu zur Übung einfach mal so, als hättest du dabei Zügel in den Händen.- Obwohl sich dein Körper bewegt, bleiben Schultern, Arme und Hände ruhig. Wie bei einem Kellner, der ein Tablett voll Gläser trägt.
- Das Annehmen und Nachgeben des Zügels kann wenige Millimeter oder mehre Zentimeter betragen. Wie viel der Zügel bewegt wird, hängt vom Pferd ab. Das Ziel ist erreicht, sobald es die gewünschte Reaktion zeigt.- Beginne mit einer ganz leichten Zügelhilfe und verstärke diese schrittweise, bis das Pferd reagiert.- Stell dir vor, du drückst einen nassen Schwamm aus, wenn du die Zügel annimmst. Beim Nachgeben öffnet sich die Hand: der Schwamm nimmt wieder Volumen an.

Tipps und Tricks

  • Halte beide Hände immer aufrecht und genau nebeneinander! Sonst kann das Pferd deine Hilfen nicht verstehen und reagiert unwillig.
  • Der Ringfinger wird beim Reiten vom Zügel leicht nach vorne gezogen. Bringe bei einer annehmenden Zügelhilfe den Ringfinger einfach auf dieselbe Höhe wie die anderen Finger.
  • Lass den Daumen immer dachförmig auf dem Zügel ruhen. Dann bleiben die Handgelenke locker. Mit einem gestreckt aufliegenden Daumen kann man keine einfühlsamen Zügelhilfen geben.
  • Anfangs dürfen die Zügelhilfen deutlich zu sehen sein. Mit zunehmendem Ausbildungsstand von Pferd und Reiter werden sie allerdings immer feiner, bis man sie kaum noch sieht.
  • Achte immer auf eine lockere Arm- und Schultermuskulatur. Ist sie verspannt, wirkt sich das negativ auf die Feinheit der Zügelhilfen aus. Andere Folgen können Nacken- und Kopfschmerzen sein. Daher öfter Lockerungsübungen machen.

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